|
|
Meine Motorradgeschichten
|
|
Immer wieder einmal überfällt mich der Wahn, eine Geschichte zu schreiben, die vom Motorrad fahren handelt. Diese Geschichten habe ich hier abgelegt. Soll sie lesen wer will. Klauen und Kohle damit scheffeln verbiete ich mir aber.
Die Geschichten entstanden von etwa 1996 bis 2010. Wenn mich die Muse küsst oder mich sonst wer nervt, schreibe ich die nächste.
|
|
|
Noch’n Gedicht
|
|
Zugegeben, ist geklaut oder zumindest modernisiert.
|
|
Die Rennleitung
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist ein Biker auf seiner Sprint. Er hält die Lady wohl in dem Arm
Er fasst sie stark, sie hält ihn warm
Mein Schöne, was birgst du so bang dein Licht?
Siehst Biker du die Rennleitung nicht?
Die Rennleitung auf ihrer Streif?
Meine Lady, es ist ein Nebelschweif.
Du liebes Bike, komm nah zu mir!
Gar schöne Kürvchen habe ich hier
Manch bunte Blumen sind hier am Rand,
Meine Minna hat manch grünes Gewand.
Mein Biker, mein Biker, und hörest du nicht,
Was Rennleitung mir leise verspricht?
Sei ruhig, bleib ruhig, meine Sprint,
In dürren Blättern säuselt der Wind
Willst feine Sprint du das Gas aufdreh’n?
Mein Schirrmeister soll dich warten schön.
Mein Schirrmeister führt dich nächtens heim
Und wäscht und putzt und schmiert dich ein.
Mein Biker, mein Biker, und siehst du nicht dort
Rennleitungs Blitzer am düsteren Ort?
Meine Lady, mein Kradl, ich seh es genau
Es scheinen die alten Weiden so grau.
Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
und heizt du nicht willig, sperr ich den Asphalt.
Mein Biker, mein Biker, jetzt visiert er mich an,
Rennleitung hat mir ein Leids getan.
Dem Biker grauset’s, er fährt ganz geschwind
Er hält in den Händen die ächzende Sprint,
erreicht den Hof mit Müh und Not,
in seinem Briefkasten: 3 Monate Fahrverbot.
|
|
|
|
Wer sein Moped liebt, der...friert.
|
|
All überall auf den Straßen läßt sich ablesen: die geburtenstarken Jahrgänge haben das Alter so um die etwas über vierzig und noch unter fünfzig erreicht und verleben nun ihre letzten wirklich tollen Tage im Gedenken an „Easy Rider“. 2,8 Millionen Motorräder sprechen eine deutliche Sprache. Also, ohne mein Alter verraten zu wollen, ich habe jetzt auch ein Motorrad. Natürlich habe ich das Zweirad nicht wegen irgendeiner Hormonunregelmäßigkeit oder Torschlußpanik sondern nur wegen meines Sohnes gekauft. Der hat mich wegen seiner Pubertät dazu gedrängt. Er wird in einem halben Jahr 18 und darf dann auch vielleicht mal die Maschine fahren. Wir werden es sehen.
Freiheit, Natur, Geschwindigkeitsrausch, Januar, Frost, los geht‘s. Ich genieße den harten, männlichen, pochenden Rhythmus eines V2-Motors zwischen meinen belederten Schenkeln und den Fahrtwind, der wegen der Helmpflicht leider nicht mein schütteres Haar durchstreifen kann. Wir sind schon harte Typen, wir Motorradfahrer, vor allem bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt (Peter Fonda war ein Weichei! Bei 20 Grad plus kann doch jeder.) Befreit vom Blechsarg sitze ich auf meiner Maschine, gleite über die Straße und merke mit jedem Kilometer, wie mein Lächeln im Gesicht gefriert, alle Glieder steif werden und sich das Zittern der Körperteile mit der Umdrehungszahl der Kolben zu synchronisieren beginnt. Bei Rotlicht über die Ampel ist Selbstschutz, um nicht beim Anhalten vor dem Lichtsignal am Bordstein zu zerschellen, weil ich die Füße nicht von den Rasten bekomme. Zu Hause angekommen, fahre ich präzise in einem Abstand von zehn Zentimetern an die Hauswand, Sonnenseite, heran, bremse und lasse mich gegen das Mauerwerk kippen. Nach einem Viertelstündchen beginnen meine Beine zu schmerzen und verkünden mir damit, daß ich den Abstieg versuchen kann. Dies gelingt dann auch. Meine Schreie verlieren sich im Helminneren.
In der Wohnung wartet meine Herzallerliebste mit der Frage: „Na, wie war’s!“. „Ga..., ga..., ga..., geil!“. Blicke sagen mehr als tausend Worte.
Erfahrung gepaart mit Vernunft geben dem Motorradfahrer den letzten Schliff. Der nächste Ausflug beginnt bestens vorbereitet. Alles was nicht in der Wäschetruhe liegt, wird angezogen, dann noch die Lederklamotten drüber und die Sturmhaube übergestülpt. Den Abschluß bildet ein Regenkombi. „Fahr vorsichtig!“ mahnt meine Gattin, „Mmpf...!“ antworte ich.
Die Kälte kann mir nichts mehr anhaben. Volle Konzentration auf die Straße und den Verkehr. Zuvor ungeahnte Möglichkeiten ergeben sich mit so einem Motorrad. Man kann zum Beispiel den knappen noch vorhandenen Verkehrsraum besser nutzen. Überholen auf der linken Autobahnspur zwischen einem PKW und der Leitplanke, satte 1,5 Meter, die ohne Motorrad ungenutzt blieben. Habe ich mich mit meinem Auto nie getraut. Die jungen Bengels übertreiben hier teilweise und fahren auch noch durch eine Lücke von 1 Meter. Das muß nun wirklich nicht sein!
Gelassenheit ist angesagt. Lamentierende und pöbelnde Autofahrer werden mit einem Tritt gegen den Außenspiegel bei Tempo 100 abgestraft. Das schafft Demut unter der Blechkarossenfraktion.
Runter von der Autobahn, rein in die Stadt. Hier wird man viel besser wahrgenommen mit seinem besten Stück. Tempo-30-Zone. Da geht‘s locker mit 120 km/h durch. Das böllernde Röhren des Auspuffs stört die Anwohner so nur Bruchteile von Sekunden, während Autofahrer minutenlang schleichend und stinkend durch die Straßen prötteln. Cool einschwenken zur Haupteinkaufsstraße mit den Straßencafés. Uups! Drei Monate zu früh, keine Tische draußen. Macht aber nichts, ich werde trotzdem beachtet. Das Kopfschütteln der Passanten zeigt mir ihre Gedanken. „Nee, nee hätte ich doch auch nur ein so schönes Motorrad.“
Von solcher Anerkennung beflügelt plane ich schon das Frühjahr. Ich besorge mir einen Tatookatalog und suche mir mit meiner Holden eine passende Tätowierung aus. Ich schwanke noch zwischen Totenkopf und Sparkassen-S. Meine Angetraute meint allerdings, die Blutgruppe nebst Angabe zum permanenten Alkoholspiegel oder auf der Stirn ein Pfeil mit der Beschriftung „Hier Oben“ wäre passender. Ich glaube, meine Frau mag keine Motorradfahrer.
|
|
Das ABC des Billiger-Triumph-Fahrens
|
Also, ich habe bisher für die von mir gefahrene T-Bird Sport keinen Pfennig gezahlt. Das ist im Grunde genommen ganz einfach: Ich habe das Moped meiner Frau geschenkt. Da sie keinen Führerschein hat, fahre ich das Ding. Sie hat dafür Verständnis. Soll ja nicht einfach so verotten, die T-Bird, nicht die Frau.Ich fahre nie nur zum Spass, sondern hole samstags Brötchen an der Tanke. Die Tanke befindet sich in der Regel so um die 125 Kilometer vom heimischen Bau entfernt. Hin und zurück macht das 250 Kilometer oder eine Tankfüllung. Die Brötchen (vier) kosten dann ca. 26,50 Emmchen. Geht vom Haushaltsgeld ab. Ist was kaputt am Moped, weise ich meine Geliebte auf diesen Umstand hin und sie sorgt dann für Abhilfe. Freundlich wie ich bin, übernehme ich dann die Überführung zum fröhlichen Triumph-Händler. Kleidung ist auch kein Problem. Da ich eine Spülmittelallergie habe, mussten Schutzhandschuhe her (ist'n T drauf für "trockenhalten"). Die übrigen Klamotten habe ich für einen Skiurlaub gekauft, der nie stattfand. Das T auf dem Anzug steht für "Talfahrt", glaubt meine Angetraute. Die Stiefel sind eigentlich für den Garten. War ein Fehlkauf. Wir haben nur einen Balkon. Fiel mir aber zu spät ein. Jetzt bin ich gerade dabei meiner Frau zu erklären, dass sie eigentlich ein zweites Moped braucht. Ist ja irgendwie blöd, dass wenn ich Brötchen hole sie keine Gelegenheit hat, ihr eigenes Moped zu bewundern. Also, ich denke alles ist nur eine Frage der Sicht der Dinge oder der doppelzüngigen Buchführung.
|
|
|
Motorradfahrer
|
|
Zugegeben, es gibt viele Vorurteile gegenüber Motorradfahrern und einige davon stimmen leider sogar. Sie sind harte Kerle, sehen ebensogut aus wie Ihre Maschinen und fürchten weder Tod noch Teufel. Es gibt aber auch Vorurteile, die an den Haaren herbeigezogen sind. Nicht alle Motorradfahrer tragen Tätowierungen. Warum ich mir da so sicher bin? Seit mehr als einem Jahr fahre ich selbst Motorrad.
Motorradfahrer sind die besseren Verkehrsteilnehmer. Sie nutzen zum Beispiel den knappen, noch vorhandenen Verkehrsraum besser. Überholen auf der linken Autobahnspur zwischen einem PKW und der Leitplanke, satte 1,5 Meter, die ohne ein solches Manöver ungenutzt blieben. Machen Sie das mal mit Ihrem Kadett oder Golf! Ganz zu schweigen vom nur spärlichen Parkraum, den ein Motorrad benötigt. Jeder Gehweg kann Unmengen von Zweiräder aufnehmen.
Motorradfahrer sorgen für eine geringere Lärmbelästigung, weil ein Motorrad, das mit ca. 120 km/h durch eine Tempo-30-Zone fährt, nur Bruchteile von Sekunden den Wohnraum mit störenden Geräuschen beschallt. Ein PKW hingegen quält sich minutenlang mit Tempo 30 durch das gleiche Gebiet.
Motorradfahrer gehen sparsamer mit den Umweltressourcen um. Ein Ampelstart, der über mehrere Meter nur auf dem Hinterreifen vollzogen wird, schont die Vorderradbereifung und mindert damit die sonst notwendige Produktion von neuen Pneus. Motorräder verbrauchen auch weniger Benzin. Viele fahren ohnehin nur bei schönem Wetter und dann auch nur bis zur nächsten Eisdiele. Oder das Motorrad fährt überhaupt nicht, weil es mal wieder defekt oder eine Harley Davidson ist.
Motorradfahrer sind schon immer Trendsetter gewesen. Leder tragen sie schon seit langem und Sado-Maso wird von ihnen in aller Öffentlichkeit ausgelebt. Wie würden Sie sich sonst erklären, wie man auf die Idee kommen kann, bei minus 10 Grad im hautengen Lederdress durch die Gegend zu kutschieren und anschließend mit schmerzverzerrtem Gesicht die abgestorbenen Gliedmaßen ins Leben zurückzureiben oder in brühheißem Wasser aufzutauen. Oder nehmen Sie zum Beispiel den Motorradfahrerbrauch, hin und wieder mit dem Hosenboden den Asphalt zu polieren.
Motorradfahrer haben einen viel engeren Bezug zur Natur. Das Zusammen- oder Aufeinandertreffen mit der Flora und Fauna ist bei ihnen viel intensiver als bei anderen Verkehrsteilnehmern. Ein vielgeliebtes Hobby ist es, mit dem offenen Visier Insekten zu fangen. Auch kurze Bekanntschaften mit Vögeln oder Kriechtieren verlaufen inniger als bei den Autofahrern in ihren gepanzerten Limousinen. Fallende Kastanien im Herbst werden in der Regel ebenfalls nur von Motorradfahrern so richtig wahrgenommen.
Motorradfahrer sind reinliche Menschen. Sie sammeln allen Straßendreck auf, heften ihn an ihre Kleidung und Maschinen und verbringen dann ähnlich den Großkatzen Afrikas einen Großteil ihrer Tageszeit damit ihn wieder loszuwerden.
Also liebe Autofahrer, schimpfen Sie nicht über Motorradfahrer, sondern bewundern Sie diese tollen Typen.
Oh, ich hätte fast das andere Geschlecht vergessen. Nun denn, zugegeben, es gibt viele Vorurteile gegenüber Motorradfahrerinnen...
|
|
|
Fasane sind...
|
|
...arrogante Arschlöcher!
Ich entschuldige mich hier ausdrücklich für diese vulgäre Ausdrucksweise. Aber ich kann das begründen.
Heute hatte ich endlich Gelegenheit, die erste größere Tour (310 Kilometer) mit meinem Moped unter die Gummis zu nehmen. Dank Kachelmanns Außergefechtsetzung fiel das Wetter aus und ich konnte mich voll auf die Straßen konzentrieren. Alle Verkehrsteilnehmer verhielten sich vorbildlich. Alle, außer... genau... ein Fasan!
Das Angebot an Fauna ist bei uns am Niederrhein erstaunlich reichhaltig. Jedes Vieh bereichert mit seinen Macken das Verkehrsgeschehen.
Hunde sind strunzdoof, weil sie, allein gelassen, querbeet und kreuzweise dahertraben und den Asphalt unsicher machen. Hupen oder quietschende Reifen quittieren Sie mit einem Schulterblick, der irgendwo zwischen depressiv und ”€žHallo? Ist jemand zu Hause?” pendelt. Hunde sind blöd.
Katzen sind übernervös und panisch. Sie lauern geduckt hinter den Reifen geparkter Autos und springen im exakt falschen Moment mit aufgestelltem Schwanz mitten auf die Straße und rasen anschließend, so sie dazu noch in der Lage sind, mindestens drei Kilometer mit Schallgeschwindigkeit durchs Gelände. Katzen sind im Straßenverkehr übel nervöse Kreaturen.
Tauben sind abgewichst und cool. Mit ihrem Erbsengehirn können sie nicht nur präzise über hunderte von Kilometern navigieren sondern die exakte Geschwindigkeit, Entfernung und das Verhalten von herannahenden Auto- und Mopedfahrern berechnen und in Sekundenbruchteilen die Schwanzfeder um 0,2 Millimeter zur Seite bewegen, um dem scheinbar unausweichlichen Aufprall aus dem Weg zu gehen. Tauben sind die Toreros der Tierwelt.
Amseln sind selbstmörderische Spinner. Sie fliegen grundsätzlich in 75 Zentimeter Höhe über stark befahrene Straßen, um sich in ein nahes Gebüsch zu hocken und auf die nächste Kolonne zu warten. Amseln würden S-Bahn-Surfen als Sport betreiben, wenn sie Hände hätten.
Hasen und Igel sind tot, wenn sie am Straßenverkehr teilnehmen. Anders als plattgefahren habe ich sie noch nicht gesehen. Hasen und Igel sind Ignoranten, die es übertreiben und nichts (mehr) dazu lernen.
Krähen sind feige und hinterhältig. Bereits wenn man den Blinker setzt und auf eine in fünfhundert Metern Entfernung von Krähen besetzte Straße einbiegt, flattern sie wild und chaotisch auf, setzen sich hektisch auf die umstehenden Telegraphenmasten und schauen dann lässig bis spöttisch auf dich herab. Krähen rufen den Hasen und Igeln zu ”€žJetzt ist alles frei” und fressen sich anschließend die Bäuche voll. Krähen sind ängstlich und verschlagen.
Aber die Fasane! Heute kam so ein Mistvieh von links auf die Straße geschlendert mit hoch erhobenen Schwanzfedern und stolzierte gockelhaft (ok, wie auch sonst) als hätte er alle Zeit der Welt über das MIR gehörende Asphaltband. Der Kopf nickte in der typischen “Was guckst du” Art vor und zurück. Mein Hupen und das Reifenwimmern interessierten ihn nicht die Bohne. Nö, noch etwas den Schritt verlangsamen, dann etwas schneller und ich bin mir sicher, als ich ihm um Haaresbreite auswich, habe ich aus dem Augenwinkel die lässig ausgestreckte Mittelfeder gesehen.
Fasane sind arrogante Arschlöcher!
|
|
|