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01.10.2006, 08:00 Uhr, unterhalb des Autobahnkreuzes Moers trafen sich sechs Eisenärsche zum langen Trip nach Vianden in Luxemburg. Allen Unkenrufen der Meteorologen zum Trotz erwies sich das Wetter besser als vorhergesagt: leichte Bewölkung und Morgentau statt Regen. Am Kreuz hatten Jürgen Steffe und Norbert Küster schon die ersten 30 bis 40 Kilometer im Kreuz, Robert Berg 20, Dirk Liesen wahrscheinlich 100, weil er vorher noch ein paar Runden gedreht hat, sowie Stephan und ich drei. Daher waren wir auch die letzten am Treff. Stephan hatte es geschafft, kurz vor der Abfahrt noch seinen Helm zu himmeln und hätte um ein Haar die Strecke mit offenem Visier in Angriff nehmen müssen. Aber mit ein wenig Verständnis für Feinmechanik und einer guten Portion roher Gewalt schnappte das Visier doch noch ein. Ein hochfrequentes Sirren während der Fahrt ließ sich nach der ersten Pause dann auch noch durch gezielte Tritte beseitigen.
Um exakt circa 08:06 Uhr ging es dann los, nachdem wir uns telefonisch versichert hatten, dass Peter Adamek tatsächlich den üblen Prophezeiungen der Wetterfrösche geglaubt hatte und den Sonntag verbittert zu Hause verbringen wollte. Die Tour war so angelegt, dass keine Autobahn und nur wenige Bundesstraßen unsere bevorzugten Strecken bildeten. Hinter Mönchengladbach im Braunkohletagebau wurde es öde und mein Versuch, an eines der heimatfressenden Löcher heranzufahren und einen Blick in den Hintern der Erde zu werfen, scheiterte kläglich. Wer glaubt, man könnte ein Loch von der Größe eines veritablen mittelasiatischen Emirats nicht verfehlen, der hole bei mir Erkundigungen ein, wie man das trotz Navis schafft. Aber der Umweg war schön.
Was macht man auf einer Tour, die am heiligen Sonntag früh morgens beginnt, gegen 10:00 Uhr vormittags in Düren? Man sucht eine Bleibe für ein zweites Frühstück. Das ist in Deutschland gar nicht so einfach, da die Kneipen erst nach dem Gottesdienst vom Pfarrer aufgeschlossen werden. Hotels geben sich verriegelt und verrammelt zur ausschließlichen Nutzung durch die geneigte Gästeschar, Cafes öffnen erst wenn die Kneipen dicht machen. Tja, wären da nicht noch diese verschrienen amerikanischen Frittenbuden, die vorzugsweise von freundlichen Menschen mit Migrationshintergrund betrieben werden und jeder Altersklasse mit Ihrem Angebot etwas bieten. Norbert und ich begnügten uns altersweise mit einem großen Kaffee, Stephan mit einem klassischen Big Dingens Menü und der Rest machte auf französisch mit Baguette. So gestärkt peilten wir weiter Kurs Vianden.
Hinter Düren wurde es dann so, wie man es sich am Niederrhein wünscht. Kurvig und bergig. Merkwürdigerweise stellt sich bei kurvigen, unübersichtlichen Straßen unweigerlich ein Phänomen ein, das Autofahrer-mit-Zeit-satt heißt. Vorzugsweise sitzen diese in einem Mercedes C-Klasse, silber und jetzt auch ohne Hut. Sie sind einfach da, so wie die Mofafahrer mit Eierkopfhelm und Einachshänger an den Sperrmüllterminen. Keiner weiß, woher sie kommen und wohin sie gehen, aber sie sind da, als gehörten sie zum Ambiente wie eine Lederhose am Hintern eines Nordösterreichers. Haarnadelkurven werden dann im Leerlauf durchrollt und Gegenverkehr verhindert Überholvorgänge so lange, bis die Strecke wieder übersichtlich und uninteressant wird. Motorradfahren bekommt dann irgendwie etwas kreatives. Mir fallen dann immer die besten Verwünschungen und Flüche ein.
Mit einem weiteren Zwischenstopp zum Kaffeeablassen und Rauchnachfüllen näherten wir uns unweigerlich Luxemburg. Für einen Niederrheiner irritierend kündeten gelbe Nummernschilder an den Fahrzeugen vom Zwergstaat. Und ein Blick auf die Uhr (Letzeburgisch: Our) entschädigte dann für so manche Schleichfahrt. Vianden, Touristenhochburg am Rande der Eifel, war Futterstopp und Halbzeitpause. Menü mit Tomatensuppe, Salatbuffet, Schnitzel mit einem Klecks Champignonsoße und Pommes für 10 Euro, man konnte meckern. Das Geilste dann an der Tanke, ein Liter Super für ein Euro. Tja, der Ausflug ha tte sich gelohnt. Und über allem schien die Sonne.
Ab Vianden war dann schon wieder Rückweg angesagt. Bis Altenahr ging es noch über kleine Straßen und hin und wieder eine Bundesstraße bis zur Autobahn. Silberne Daimler waren unsere ständigen Begleiter und als Sahnehäubchen ein auf 25 Kilometer gedrosselter Fiat Panda auf der B257 bei Altenahr, der kurz vor dem Autobahnzubringer mit einer gewagten Wende zwischen den Leitplanken über eine doppelt durchgezogene Linie noch die Kurve kriegte. In Altenahr selbst dann zu unserer kompletten Überraschung einsetzendes Nieseln. Zur Vorsicht haben wir dann Antiregenmaßnahmen ergriffen, die auf der Autobahn noch zu einem besonderen Ereignis führten. Nach einem Überholmanöver mit entsprechendem Angasen fehlte in meinem Rückspiegel die vertraute Silhouette einer blauen Kawa ZR 7S mit Stephan obendrauf. Negative Beschleunigung, ein aufholender Norbert mit Anhang und ein regelwidriger Aufenthalt auf dem Seitenstreifen der Autobahn zeigte nur ratlose Gesichter bis nach zwei Minuten eine blaue Kawa aus dem Hintergrund auftauchte und die Gruppe komplettierte. Während der Fahrt hatte sich bei 140 die Regenhaube an Stephans Tankrucksack gelöst und den Versuch unternommen, sich um den Helm zu legen. Stephan hat dann lieber die Ausfahrt genommen und seinen Püngel sortiert, während oben auf der Autobahn der Rest der Truppe gen Heimat düste. Wie sagt man doch so schön, Schreck in der Abendstunde und Ende gut, alles gut.
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