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2005 Grenzerfahrung, das wars wohl auch. 14 Tage vorher war fast schon absehbar, dass sich eine stabile Schlechtwetterfront von Hawaii bis Schaephuysen aufbaute, die auch ein kurzfristig anzuzettelnder Atomkrieg oder Meteoriteneinschlag nicht beseitigen würde. Trotz aller Vorahnungen ignorierten wir das Menetekel am Horizont und werkelten unbeirrt an den notwendigen Vorbereitungen für die Tour. Alle sechs Stunden bei La Stazione anrufen, um uns vergewissern zu lassen, dass an die fünfzig Biker nach Abschluss der Tour mit Speis und Trank versorgt werden können. Alle acht Stunden die Tour abfahren und die Verstecke für die Lösungsfotos kontrollieren. Alle 10 Stunden trockenlegen der nassen Plörren und auf wärmen der klammen Knochen mit anschließenden Gebeten zu Petrus, er möge den Frühling durchs Türchen lassen.Einen Tag vor der Tour, am Freitag, sämtliche Wetterkarten im Internet abklappe rn und nur die ernst nehmen, die Regenmengen unter 100 Millimeter pro Quadratzentimeter prophezeiten.
Und dann der Tourtag. Norbert, Stephan und ich fuhren mehr feucht als fröhlich zum Treffpunkt, nach dem wir einen Teil der Verstecke mit den Lösungsfotos gefüttert hatten. Angekommen schauten wir nach Westen (woher das Wetter kam) und nach Osten (woher die Biker kommen sollten). Die Wetten, wie viele sich einfinden würden, schwankten zwischen eins (Dirk kommt mit dem Motorrad allein) und zwei (Dirk kommt mit dem Bus und bringt seine Sozia mit). Und dann der Hammer. Trotz mieser Bedingungen und noch mieseren Vorhersagen kamen 44 Leute! Ich frage mich noch heute, ob es der Geiz wegen des möglichen Verlustes von 10,00 Euro war oder der bedingungslose Glaube, dass das Wetter sich auf unseren Touren noch immer zum bessern gewendet hat. Einige Sozias zogen es allerdings vor, die verrückten Ehegatten und Freunde allein ziehen zu lassen. Mit Recht wie wir schnell feststellen mussten. Unsere Hochachtung galt den Damen, die es sich nicht nehmen ließen, die verrückte Beziehungshälfte zu begleiten.
Also gingen wir daran, die Aufgaben zu verteilen und die Grupp en auf die Reise zu schicken. Vom Westen zog bereits die Nacht herauf und das gegen 10 Uhr vormittags. Los gings. Stephan, Norbert und ich mussten noch an den äußersten Eckpunkten der Tour ein paar Kassiber verstecken. In der Nähe von Pfalzdorf durchquerten wir Wolkenbänke und dahinter war es tatsächlich so etwas wie trocken. Was derweil die anderen erlebten, wurde uns am Nachmittag in schillernden Bildern beschrieben. Wir sind scheinbar im Trockenloch gefahren und als wir gegen Mittag in Kranenburg n och niemanden antrafen, dachten wir uns, fahren wir einfach zurück nach Schaephuysen und warten dort in aller Ruhe auf die Lustfahrer. Unterwegs sahen wir um uns herum diverse Wolkenstrukturen, die sonst nur in Sondersendungen der öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten aus den Augen eines veritablen Hurrikans gesendet werden. Da dämmerte es uns so langsam, dass die anderen nass werden könnten.
Hin und wieder erreichten uns Unterwasseranrufe mit den aktuellsten Katastrophenmeldungen. Mehr oder weniger verzweifelte Gruppenführer schlugen zaghaft vor, die West-Ost-Strömung und den Tiedenhub für die Rückkehr zum Treffpunkt nach Schaephuysen zu nutzen. Auf der B 9 war es nach Schilderung einiger Teilnehmer möglich, locker 40 Grad Schräglage mit Hanging-Off bei Geradeausfahrt zu zelebrieren. Hagelschauer wurden durch Blitze untermalt und Regenschauer kamen vorzugsweise von unten. Die Welt stand Kopf. Unser Rudi machte sich auf einem Wirtschaftsweg lang und trug heimische Scholle Pfundweise auf dem Regenkombi. Er sah aus wie ein frisch geernteter Spargel. Seine Mitstreiter, gar nicht faul, verhalfen ihm zu einer Generalreinigung, indem sie ihn über einen regensatten Anger schleiften. Leider ist uns von diesem Geniestreich kein Foto überliefert.
Die ganz Harten maulten, dass sie durchgefahren wären, wenn die ganz Weichen sie nicht zur Aufgabe gezwungen hätten. Und überhaupt sei alles gar nicht so schlimm gewesen. Schließlich ist keiner vom Blitz erschlagen worden und erst recht nicht ertrunken. Irgendwie wirkten aber schon alle glücklich, als sie sich um die Gartenheizungen am Treffpunkt scharrten. Glücklich mit heiler Haut davongekommen zu sein.
Gewonnen hat an diesem denkwürdigen Tag die Truppe um Dirk Liesen. Alle Aufgaben hatten auch diese Harten nicht lösen können. Sie waren allerdings am weitesten geschwommen.
Ich gebe zu, mit dem Abstand von einem Jahr liest sich alles recht harmlos. Die, die dabei waren, haben etwas für die langen Abende mit ihren Enkeln.
Die Tour an sich gehört sicherlich zu den schönsten am Niederrhein und kam zu unrecht nicht zu ihrem verdienten Ruhm. Ich hoffe, dass die meisten später etwas stabilere Wetterlagen zu einer Rundfahrt genutzt haben. Wenn nicht, dann kann das jeder ja noch nachholen
Und hier noch das Gimmick: eine Präzisionsuhr!
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